Wenn Instrumente schwitzen oder frieren

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Verfasst von Josef Just, am 2. Oktober 2018

Wenn Instrumente schwitzen oder frieren... Musiker und Instrument reagieren. Der Musiker kann sich anpassen, das Instrument nicht. Tonhöhenveränderungen sind so unvermeidlich. Aber was passiert hier wirklich?

Im Orchestergraben kann es richtig heiß werden und in Kirchen eisig kalt. Das macht nicht nur den Musikern Probleme. Auch den Instrumenten ist ein solcher Temperaturunterschied nicht zuträglich.

Luftfeuchtigkeit und Zugluft tun ihr übriges.

Stellen Sie sich vor, es ist Weihnachten. Konzerte und Veranstaltungen in festlicher Kleidung in einer völlig unterkühlten Kirche. Aber dennoch sollen Sie als Musiker gut aussehen und womöglich noch in schwarzem Kleid vor dem Publikum stehen.

Sieht gut aus, ist aber alles andere als gesund. Der Musiker kann zum Pullover mit Wollkragen greifen, das Instrument nicht.

Oder Sie stehen draußen. Wind, Niederschläge, pralle Sonne oder Schneefall. Alle Eventualitäten sind möglich. Selbst Arbeitsgerichte haben sich mit diesem Thema schon beschäftigt. So hat das Augsburger Arbeitsgericht am 20.07.1984 entschieden, das ein dort ansässiger Arbeitgeber seine Musiker nicht unter Temperaturen von 14 Grad Celsius im freien beschäftigen darf.

Kirchen sind Räume. Und im Winter meist kälter.

Alles rund um das Thema Arbeitstemperaturen gehören mit in einen Arbeitsvertrag. Vor allem bei Musikern, die keinen festen Spielort haben. Bei Amateuren und freiberuflichen Bands gibt es so etwas wie einen Arbeitsvertrag meist nicht. Sie müssen selber auf die gesamten Umstände Acht geben.

Die Posaune in der Kälte stört das nicht so. Nur das Mundstück ist eiskalt und die Lippen frieren fast fest. Blechblasinstrument benötigen allerdings einige Zeit bis sie wieder aufgetaut sind und der Ton dürfte in dieser Zeit auch leiden. Bei der Posaune kann es passieren, das der Zug einfriert, wenn nicht genügend Fett zum schmieren verwendet wird. Die Gitarre mag überhaupt keine Feuchtigkeit. Saiten kann man stimmen aber das Holz selbst kann Schaden nehmen und irreparabel beschädigt sein. Es quillt und reißt eventuell.

So hat jedes Instrument seine Anfälligkeiten.

Es gibt inzwischen sogar Webseiten im Netz, welche die Tonhöhenänderung bei Temperaturveränderungen genauestens berechnen. Zum Beispiel bei Blasinstrumenten, wie Klarinette, Flöte, Trompete oder Orgel.

Drücken wir es einmal genauer aus:

Tonhöhenveränderungen

Die Tonhöhenänderung J (Frequenz) in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur ϑ (theta) bei schwingenden Luftsäulen. Der Ton einer Orgelpfeife oder eines anderen Blasinstrument verändert sich bei einer Temperaturerhöhung von beispielsweise 20°C nach 25°C, da sich die Schallgeschwindigkeit c und somit auch das Produkt λ· f verändert. Da die Wellenlänge λ wegen der konstanten Länge der Orgelpfeife auch konstant bleiben muss, kann sich nur die Frequenz f, also die Tonhöhe ändern.

Hört sich kompliziert an, aber es gibt genügend Tontechnik-Rechner, die einem die Arbeit des ausrechnens abnehmen.

Um es einfacher auszudrücken: Die sich verändernde Lufttemperatur ändert die Schallgeschwindigkeit.

Bei einem Supersommer, wenn es also sehr heiß ist und sich die Lufttemperatur von 20°C auf 40°C erhöht, wird der Kammerton a‘ um 57,13 Cent verschoben, d.h. von 440 auf 454 Hz. Mit Cent wird hier der Wert für die Tonhöhenänderung angegeben.

Für einem Grad Temperaturerhöhung steigt die Schallgeschwindigkeit um 0,6 Meter pro Sekunde. Prozentual gesehen ist das 0,6 / 343,5 = 0,00175 = 0,175%. Ein Halbton ist eine Veränderung um 5,95% in der Frequenz. Weil 0,175 / 5,95 = 0,03 ist, gibt es eine Tonhöhenänderung von etwa 3 Cent für jede Temperaturänderung um 1 Grad bei Blasinstrumenten.

Ein „Cent“ ist in diesem Zusammenhang ein Hundertstel Halbton, so wie ein Halbton ein Zwölftel einer Oktave ist.

Oder aber, der Musiker benutzt einfach sein gut gestimmtes Gehör, um das Instrument zu stimmen.

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